Bisher konnten wenige Auswirkungen auf den Alltag von Personen mit Aphantasie festgestellt werden. Viele Auswirkungen zeigen sich nur im Labor, da hier die Anforderungen an das Vorstellungsvermögen künstlich verstärkt werden können. Im Alltag gelingt es Personen mit Aphantasie häufig, die Abwesenheit ihres Vorstellungsvermögens mit nicht-vorstellungsbasierten Strategien zu kompensieren.
Personen mit Aphantasie berichten häufig ein schlechteres autobiographisches Gedächtnis, da episodische Details an sensorische Eindrücke gekoppelt sind. Dies hat aber auch Vorteile, da so auch negative Ereignisse schneller hinter sich gelassen werden können. Im Einklang mit diesen Gedächtnisdefiziten berichten Personen mit Aphantasie immer wieder von Problemen mit der Gesichtserkennung. Diese sind jedoch vergleichsweise gering und treten vermutlich nur unter erschwerten Bedingungen auf (z. B. fehlende Kontextinformationen).
In einigen Studien zeigen Personen mit Aphantasie eine geringere emotionale Reaktivität auf nicht-visuelle Reize (z. B. bei angsteinflößenden Erzählungen). Die emotionale Reaktivität auf visuelle Reize (z. B. angsteinflößende Reize im selben Raum) fällt ähnlich wie bei Personen ohne Aphantasie aus.